« »

04.10.08

Permalink 11:00:00, von ff E-Mail , 353 Wörter   German (DE) latin1
Kategorien: Reisen, Japan

Mein Hauptinteresse widmet sich im Moment der Frage: Was machen Japaner in unserem Alter wenn sie nicht in der Uni oder bei Mama und Papa sind und nicht in einer Karaokebar weilen? Die Antwort lautet in 98% der Fälle: Sportklub und Arbeiten. Individualität in der Freizeitgestaltung ist nicht vorgesehen. Die amerikanischen Austauschstudenten bringens auf den Punkt: "We are cheap. We buy some beer and go into a park with our friends." Dieses westlich-studentisch-kommunikative Freizeitkonzept (oder ein entfernt ähnliches) existiert hier nicht. Ganz zu schweigen von der nötigen Infrastruktur wie z.B. Orte, wo man sich treffen könnte, ohne gleich ein Vermögen für Getränke ausgeben zu müssen.
Dieser klein anmutende kulturelle Unterschied zieht große Kreise:
- Es gibt so gut wie keine Möglichkeit, außerhalb der Strukturen, in denen man sich befindet (Familie, Uni, Sportklub), Leute kennenzulernen.
- Sobald man sich zu häufig mit seinen Freunden trifft, schließt ein durchschnittlicher Japaner sofort: "Du hast eine Freundin!". Das ist auch _das_ zentrale Thema; manche Gespräche mit jungen Japanerinnen beginnen (und enden dann auch ganz schnell) mit der Frage, wie alt man ist, ob man eine Freundin hat und Japanerinnen hübsch findet. Ich bin mir noch nicht sicher, ob diese Art Neugier wirklich höflich und üblich ist - an deutschen Verhältnissen gemessen grenzen solche Unterhaltungen mit wildfremden Personen egal welchen Alters ja eher an einer Frechheit.
---
Ansonsten gehts vielen Japanern wie den Deutschen, sie sind häufig zu beschäftigt, um sich ihr Land anzuschauen. Deshalb machen wir Auslandsstudenten das für sie und zeigen ihnen anschließend die Fotos. Koyasan war jedenfalls ein beeindruckendes Highlight - ein 4000-Seelenort mit unglaublich vielen Tempeln und einer gigantischen Grabanlage ("Grab der Firma XY für bei der Arbeit gestorbene Mitarbeiter", "Grab für bei der Schlacht XY gestorbene Soldaten", ...). Übernachtet haben wir in einem Tempel, in dem es neben einem traditionellen japanischen Gemeinschaftsbad (nackt baden in einer Wanne war einigen Amerikaners übrigens etwas zu viel... :>>) traditionelles buddhistisches Essen gab (vegetarisch) und wir in aller Herrgottsfrühe eine Einführung in Meditation bekamen.

1 Kommentar

Kommentar von: christian m berlin [Besucher]
Hallo Fabi,
vielen Dank für deine mail. Finde deine Texte wieder sehr unterhaltsam und interessant; gibt ja ein richtiges Reisetagebuch ab! Witzig finde ich u.a.auch, daß du eher vor dem Karaoke als vor der Meditation davongerannt bist...aber warscheinlich kann man bei all dem Gesellschaftstrubel etwas Zen- Ruhe gebrauchen... nun weiß ich eeeendlich warum die sich so drum reißen...
17.10.08 @ 20:51

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Mai 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << <   > >>
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      

Suche

powered by b2evolution free blog software