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Es ist immer dasselbe. Wenn man kurz vor einer Prüfung steht und es ums Lernen geht, sind alle unwichtigeren Dinge spannender, wie z.B. die Aktualisierung eines Blogs.
"Vorurteile sind dazu da, um sie zu pflegen." - wahrscheinlich eine alte österreichische Weisheit; jedenfalls häufig von einem mir assoziierten Tiroler zitiert. ;-)
Als ich heute ein Paper einer Deutsch-Professorin unserer Uni gelesen habe, das sich mit dem Thema Deutschunterricht für Japaner und der mangelnden Vermittlung interkultureller Kompetenzen beschäftigt, ist mir aufgefallen, wie schnell man hier nahezu unbewußt Stereotypen aufbaut und infolgedessen die eigene Kultur für die "bessere" hält. "Wie sind sie denn so, die Japaner?" und ähnliche Fragen verleiten dazu. Laut dem Paper könnte die Art, wie Informationen im Gehirn gespeichert werden, auch mitverantwortlich sein: Um Verknüpfungen aufzubauen müssen Ähnlichkeiten gefunden werden, Stereotypen kommen dem also entgegen.
Sie machen es einem aber auch einfach: Viele junge Japanerinnen lieben es zum Beispiel, aufgebrezelt mit Marken-Einkaufstüten durch die Uni zu stöckeln, was im westlichen Kulturkreis infantil und auf eine Art unintelligent wirken würde. Gleichaltrige Mitstudenten verhalten sich für unsere Verhältnisse oft wie 3-5 Jahre jünger. Aber mir fallen auch so einige Gegenbeispiele ein, insofern war die Lektüre äußerst lehrreich, um von Verallgemeinerungen Abstand zu nehmen und bewußt keine Bewertungen vorzunehmen.
Da habe ich auch gleich ein Diskussionsthema für mein morgiges Deutsch-Tutorium. Mal gespannt, was "meine Studenten" über Deutsche/Europäer denken und was nach ihrer Meinung Europäer über Japaner denken und wie man dieses Bild diversifizieren kann...
Abschließend noch ein etwas stilisiertes Beispiel, weshalb interkulturelle Kompetenz nicht ganz unwichtig ist (frei nach Prof. Fujiwara):
"D: Möchten Sie Kaffee oder Tee?
J: Tee bitte.
D: Möchten Sie schwarzen Tee oder Kräutertee?
J: Schwarzen Tee, bitte.
D: Möchten Sie Milch oder Zitrone?
J: Milch, bitte.
D: Möchten Sie Zucker?
J: Ja, bitte.
D: Möchten Sie Kandis- oder Würfelzucker?
J: Ich glaube, ich möchte jetzt Kaffee."
Der Deutsche ist um die höchste Zufriedenheit seines japanischen Gasts bemüht, während dieser damit zu kämpfen hat, daß es in Japan als Gast unhöflich ist, seinen Wunsch direkt zum Ausdruck zu bringen. Da er keine Umstände machen will (*wooo* - eine kulturelle Parallele!), entscheidet er sich fatalerweise um...