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Der Kulturschock blieb aus, Europäer (speziell Berliner! [bei gutem Wetter]) sind viel netter als ich sie in Erinnerung hatte. Vor einigen Tagen wollte ich am Mittag in Basel im Supermarkt um die Ecke etwas einkaufen gehen. Aber der hatte zwischen 12:30 Uhr und 15:00 Uhr geschlossen. In der heiligen Mittagszeit könnten ja Kunden stören. Ich habe mir seit zehn Monaten in Japan keine Gedanken darüber machen müssen, wann ich einkaufen gehen will, weil die meisten Läden so gut wie immer offen haben. Aber Basel ist sowieso lustig: Als ich ankam und mit der Tram in die Stadt fuhr hörte ich hinter mir ein herzhaftes "Goooopfrdälli" wegen eines Autos, das die Tram aufhielt. Solche Kleinigkeiten fänden in Japan keinerlei Beachtung und dementsprechend hatte ich mir abgewöhnt, mich ernsthaft über solche Dinge zu ärgern oder gar zu fluchen. Unterdessen habe ich mich wieder aklimatisiert: Computer in Verbindung mit Software-Raids und Microsoft-Software, die zur Installation selbiger DISKETTEN und DISKETTENLAUFWERKE benötigt (wo kriegt man sowas eigentlich noch - im Antiquitätenladen?!) machen garantiert den geduldigsten Menschen zur rasenden Wildsau. Für die Neuinstallation eines Linux-Servers unter nahezu gleicher Hardware benötigte ich 15 Minuten inklusive allem. Zur Einrichtung eines ähnlich gearteten Windows-Systems fast drei Tage...
In Japan mußte ich gegen das Vorurteil der dauernd Saufenden und Würstchen essenden Deutschen kämpfen, heute wurde es gleich zweimal auf meiner Zugfahrt nach Wien bestätigt: Das erste Mal reiste eine kleinere Gruppe badischer Frauen mittleren Alters in einem Regionalexpress und ließ sich dort Stück für Stück vollaufen mit Sekt, was eine fatalerweise dazu animierte, das Fenster über mir bei strömendem Regen zu öffnen: "Es ist ja so heiß hier!". Die zweite (schwäbische) Gruppe folgte im IC: Sie fielen zu zwanzigst ein und sangen bereits aus voller Kehle beim Einsteigen. An Flucht war nicht zu denken, da sie mich systematisch eingekreist hatten und weit und breit keine weitere Steckdose verfügbar war. Den zahlreichen Angeboten, Sekt mitzutrinken, Würstchen mitzuessen und mitzusingen konnte ich gerade so widerstehen. Gott sei Dank kamen sie mir in München abhanden, da sie in ihrem Zustand den Anschluß auf ihren Zug nach Salzburg nicht mehr erreichen konnten.