« San FranciscoDeutschland wie es säuft und singt »

Chicago

25.07.09

Permalink 01:31:59, von ff E-Mail , 673 Wörter   German (DE) latin1
Kategorien: Reisen, USA

Chicago

Neun Jahre ist es her, daß ich das letzte Mal in den USA war und das Land hat sich spürbar verändert: Bei der Einreise wird man behandelt wie ein Schwerverbrecher. Der permanent auf einem Zahnstocher herumkauende Beamte, der hierdurch fast nicht zu verstehen war, provozierte derartig mit seinem höflich ausgedrückt dümmlichen Verhalten, daß man den Eindruck haben konnte, sein Hauptziel ist es, Leute aufgrund aggressiven Verhaltens wieder heimzuschicken.

Unsere Zusammenkunft begann mit dem genervten Kommentar: "Das ist ja Deutsch!" Er hatte das Blatt mit der Registrierung, die man per Internet vor der Einreise machen muß, vor sich. Ich hatte es sicherheitshalber ausgedruckt wegen der Bestätigungsnummer. Tourismus scheint kein legaler Einreisegrund mehr zu sein. Man muß dann schon genau erklären, wann man wo hingeht und wen warum trifft. Wenn man fatalerweise sagt, man würde amerikanische Freunde treffen, dann ist das natürlich höchst suspekt, Amerikaner scheinen auch erstmal unter Generalverdacht zu stehen. Man muß dann gleich erklären, wer das so ist, wo man sich kennengelernt hat, an welcher Uni die studieren, wo sie wohnen und noch dutzende weitere Fragen beantworten, die einen Grenzbeamten einen feuchten Kehricht angehen und in keiner Form sicherheitsrelevant sind.

Am Ende wollte er mein Rückflug-Ticket sehen. Ich komme ja schließlich aus Deutschland, da sind die Leute so arm, daß sie es nötig haben, illegal in diesem Traumland USA zu bleiben. "Schon wieder Deutsch! Aber Sie haben doch gerade gesagt, Sie bleiben nur einen Monat, hier steht aber, Sie fliegen im Oktober." Nachdem ich ihm das deutsche Datumsformat erklärt hatte, entschuldigte er sich immerhin kurz. Auf Nimmerwiedersehen.

Falls die USA irgendwelchen Wert auf Touristen legen, sollten sie einen solchen Schwachsinn abstellen.

Meine amerikanischen Freunde entschädigen voll und ganz für den mißlungenen Empfang. Mein japanischer Freund (ein alter Freund meiner Gastfamilie in Japan), bei dem ich einige Tage blieb, erklärte mir auch gleich, was ich bei der Einreise falsch gemacht habe: Ich hätte an einen Schalter mit einem weißen Beamten gehen sollen. Ich war schockiert über diese Aussage, zumal er als Asiate ja wohl auch nicht diskriminiert werden wollte, aber er erzählte mir noch weitere Leidensgeschichten, die er wohl mit afroamerikanischen Beamten gemacht hatte. Aha...

Das merkwürdigste Erlebnis bisher war ein jährlich stattfindendes Picknick einer japanischstämmigen christlichen Gemeinde, zu dem er mich mitnahm. Ich habe noch nie so viele japanisch aussehende Leute gesehen, die sich so... unjapanisch verhielten. Eine Frau fragte mich, ob ich denn ab und zu japanisches Essen esse. Ich entgegnete ihr lakonisch, daß ich nicht mehr am leben wäre, wenn ich das nicht getan hätte in meiner Zeit in Japan. Sie war noch nie in Japan und kann auch kein Wort Japanisch, wie die meisten in der Gruppe. Um so merkwürdiger, daß sie bei diesem Anlaß irgendwie eine japanische Tradition bewahren wollen, die sie aber als Amerikaner wohl schon seit Generationen nicht mehr haben. Das ist einerseits sicher ein gutes Zeichen von Integration, aber andererseits ließ es dieses Treffen komisch erscheinen.

Chicago hat ein öffentliches Verkehrssystem, worüber man schonmal glücklich sein muß. Aber ich konnte mir das Lästern über die nichtvorhandenen Ticketautomaten, die sicher weit über 30 Jahre alten lahmen Züge, die wie verrückt wackeln und rumpeln und die ungeregelte Klimaanlage im Wagen nicht verkneifen. Die Bahngesellschaft dieser Linie beklagt schon länger Verluste - obwohl die Züge trotz dieses eines Industrielands unwürdigen Zustands gut frequentiert waren. Vielleicht sollten sie einfach mal investieren in neue Züge, einen besseren Takt und mehr Automatisierung. Eine andere Bahngesellschaft in Chicago setzt z.B. so viele Züge ein, daß es keinen Fahrplan gibt.

Das Wetter in diesem Jahr muß wohl sehr aus der Rolle fallen: Ich hatte laut den Durchschnittstemperaturen in Wikipedia mit einer Zeit gerechnet, in der ich keinen Pullover oder gar eine Jacke brauche - es sollte eigentlich die heißeste Zeit im Jahr hier sein. Aber es ist angenehm kühl bis frisch am Abend.

Noch kein Feedback

Einen Kommentar hinterlassen


Ihre E-Mail-Adresse wird nicht auf dieser Seite angezeigt.

Ihr URL wird angezeigt.
(Zeilenumbrüche werden zu <br />)
(Name, E-Mail-Adresse & Webseite)
(Benutzern erlauben, Sie durch ein Kontaktformular zu kontaktieren (Ihre E-Mail-Adresse wird nicht weitergegeben))
Mai 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << <   > >>
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      

Suche

blogging tool