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China

02.11.10

Permalink 15:37:40, von ff E-Mail , 878 Wörter   German (DE) latin1
Kategorien: Reisen, China

China

China kann eine Herausforderung sein für den leicht unvorbereiteten Europäer. Ich bin zwar nicht ganz Asien-unbewandert, aber Japan und China ähneln sich höchstens entfernt im Aussehen der Leute und der Schrift. Alles andere verhält sich mindestens anders, wenn nicht gegensätzlich.

Die größte Herausforderung dürfte im Allgemeinen das Essen sein: Ich begann ganz sanft mit dem tausendjährigen Ei: Es sieht ungefähr so aus, als hätte man ein gekochtes Ei ein paar Wochen lang vor sich hinschimmeln gelassen, um es dann als Delikatesse zu servieren. Von dem Aussehen darf man sich nicht beeindrucken lassen, es resultiert aus der Fermentierung und schmeckt sehr gut in etwas Essig. Zu jedem Gericht kann man immer Knoblauch haben: roh, eingelegt, gegrillt am Spieß oder knollenweise gekocht oder überbacken - ganz wie zu Hause ;) . In Peking darf man natürlich nicht die Pekingente verpassen: Das ist zwar ein Gericht, das Pekinger angeblich nie essen, aber es schmeckt trotzdem sehr gut: Man bekommt kross gebackene, vor Fett triefende Entenstücke serviert, die man dann in dünne Teigrollen zusammen mit etwas Gemüse und Soße zusammengerollt isst. Die Deko auf dem Teller (den halbierten Kopf) schmeckt unter Umständen auch gut, aber nur, wenn er auch gut zubereitet ist... ;) Als Gruppenessen eignet sich der heiße Topf gut, der so ähnlich funktioniert wie der in Japan: Man hat einen Topf mit Wasser in der Mitte des Tisches auf einer Kochplatte stehen, schmeißt beliebig Gemüse und Fleisch hinein und fischt es nach Belieben wieder heraus. Die chinesische Ausführung ist aber weiterentwickelter, denn sie hat zwei Behälter in einem Topf für zwei verschiedene Soßen. Wenn man aus dem einen mit dem guten Sichuan-Pfeffer isst, sollte man Taschentücher parat legen für die Nachwirkungen des Feuerinfernos im Mund. In unserem Topf schwammen auch ganze Frösche ohne Haut - gewöhnungsbedürftig, aber genießbar. Auf diversen Essständen, die es am Straßenrand gibt, konnte ich mich immer gerade noch so zurückhalten: Chinesen lassen sich da auch immer gerne irgendwelche ganzen Seesterne, diverse Einzelteile von Tieren oder sogar frittierte Skorpione am Spieß schmecken. Da man mich gewarnt hatte vor dem obligatorischen Durchfall "Laduzi", den man wohl erstmal als Ausländer bekommt, mied ich alles, was offensichtlich nicht unseren Hygienestandards entsprach. Für ein schnelles Mittagessen eignet sich bestens ein für Peking typisches Nudelgericht: Es besteht nur aus einer Schüssel gekochter Nudeln, einer dicken Soße und Gemüse und schmeckt hervorragend.

Der Pekinger Straßenverkehr rangiert auf meiner "Kairo-Skala" (1 für einen Verkehr, bei dem sich alle an die existierenden Regeln halten bis 10 für den Verkehr in Kairo) auf erstaunlichen 6 oder 7: Es sind Regeln erkennbar, auch wenn sie merkwürdig anmuten, wahrscheinlich nirgendwo stehen und es halten sich sogar einige Leute dran. Changsha rangiert bei ca. 1. Ich fürchte mich selten in Autos, aber die Fahrt vom Flughafen in die Stadt war nervenaufreibend und ich fühlte mich unwohl ohne den Sicherheitsgurt, dessen Schnalle irgendwo weit unter den Sitzen vergraben war. Seitdem verstehe ich das chinesische Hupalphabet: Mehrfaches kurzes Hupen heißt soviel wie "Idiot! Das war meine Spur!" Es kann getrost ignoriert werden. Langes Hupen heißt: "Du befindest dich auch Kollisionskurs, ich werde mich sicher nicht bewegen und du lenkst jetzt sofort ein oder es kracht!" Ein sehr langes Hupen ist gleichzusetzen mit einem fürchterlichen Fluch und kann wie das kurze Hupen ignoriert werden. Die Kunst besteht also darin, das lange vom sehr langen Hupen zu unterscheiden.
Ansonsten gilt einfach die Regel: Wer bremst, verliert. Ampeln, Straßenmarkierungen und Schilder sind überflüssige Deko; Fußgänger und Zweiradfahrer haben zu weichen, auch wenn sie grün haben und das Auto rot. Wenn man abbiegt, kann man das auch trotz Rechtsverkehrs in die linke Spur hinein tun oder einfach immer weitere Reihen zum Linksabbiegen öffnen und sich dann hupenderweise darum prügeln, wer nun zuerst in die Straße, die nur ein Auto breit ist, einfahren darf. Taxis sind generell sehr billig im Vergleich zu Deutschland und wenn man einfach immer gleich beim Einsteigen demonstrativ das Schild mit der Fahrerzulassung fotografiert, fahren sie auch tendenziell keine Umwege.

Sobald man aus Peking draußen ist, wird es dreckiger, billiger, das Essen schmeckt deutlich besser, die Leute werden freundlicher und - die Menschenmassen verkleinern sich. Spätestens nach der fünften U-Bahn, in die man in Peking nicht hat einsteigen können, weil sie komplett überfüllt ist, ist man um den zuletzt genannten Umstand froh.

Wenn man eine Prepaid-Karte fürs Handy kaufen will, so ist das seit geraumer Zeit offiziell verboten. Aber das interessiert keinen und es scheint schier unerschöpfliche Altvorräte zu geben, die unter der Ladentheke verkauft werden. Wenn man noch etwas wirsch guckt, werden sie auch mal schnell 100 Prozent billiger. Überhaupt wird immer alles billiger, wenn man chinesische Verstärkung mitbringt. Ausländer zahlen (zumindest in Peking) oft den vierfachen Preis wie Einheimische.

Was mir wirklich gut gefällt, ist die technische Ausrüstung des Flughafens in Peking: Es gibt kostenloses Wlan und man hat auch endlich mal an fast ausreichend viele Steckdosen an den Sitzplätzen gedacht. Davon könnte Europa sich mal eine große Scheibe abschneiden...

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