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Deutschland kopiert

04.11.10

Permalink 18:46:18, von ff E-Mail , 333 Wörter   German (DE) latin1
Kategorien: Reisen, China

Deutschland kopiert

Wenn man von Changsha nach Guangzhou=Kanton fährt, kann man den Zug nehmen: Man fährt mit dem Taxi 25 Kilometer bis vor die Stadt, um auf den mehrfach fußballfeldgroßen Bahnhof zu gelangen. Mit den Sicherheitskontrollen und der Weite muss man schonmal zehn Minuten einplanen, um vom Ticketschalter zum Zug zu gelangen. Die Fernzüge sehen aus wie ein etwas schlankerer Shinkansen und wenn man sie betritt, erlebt man ein ICE-Dejavue: Die Inneneinrichtung ist eine 1:1-Kopie der neueren ICEs plus einem weiteren Sitz in jeder Reihe. Details an den Stühlen offenbaren leichte Unterschiede, so kippt einem immer ab und zu der Laptop vorne über, weil die Ausklapptische nicht sooo ganz durchdacht sind. Auch die Steckdosen und das Wlan, das ja gelegentlich sogar im ICE funktioniert, haben sie vergessen, sogar an den Bahnhöfen. Geschwindigkeitstechnisch hat man ihn verbessert; er fährt ca. 340 Kilometer pro Stunde Spitzengeschwindigkeit und hält diese auch über weite Strecken, zumal die Gleise extra für diesen Zweck verlegt sind und nicht von anderem Regional- oder Güterverkehr benutzt werden. Das Anfahren auf diese Geschwindigkeit geht aber ziemlich lange.
Sogar den Service der Bahn haben sie gut kopiert: Es gibt den Servierwagen zwischendurch, den Kaffee muss man sich allerdings im Bordbistro selber holen gehen.
Mit der Elektrik scheints noch zu hapern: Wenn man wagemutigerweise seinen Laptop an der einzigen Steckdose vorne im Abteil anschließt, fliegt immer mal zwischendurch die Sicherung der einen Hälfte des Abteils heraus und man sitzt im Dunkeln.
Auch kann es passieren, dass man einfach mal vier Stunden in einem Bahnhof stehenbleibt - Probleme mit der Oberleitung. Dann kommen noch weitere Züge nach, deren Besatzung einfach auf einen einzigen Zug umsteigen müssen - bei den Menschenmassen in China ein lustiges Unterfangen. Das Kriesenmanagement klappte gut: Es gab relativ schnell kostenloses Wasser und sogar Nudelsuppe.
Später wurde angeblich der Zugführer verprügelt für die Verspätung.
Ob der Oberleitung wohl der Laptop (aus chinesischer Produktion!) zuviel war...? ;)

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