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Freunde von mir und ich wollten schon immer einmal eine gemeinsame Reise nach Japan und nach China machen, zumal jeder von uns eines der Länder gut kennt.
Ich beschloss, etwas eher nach Japan zu gehen, um das Schneefest in Sapporo anzuschauen und Freunde zu besuchen. Das Hotel dazu sollte man sich besser früher als einen Tag vor Abflug reservieren - es gibt sonst fast keine bezahlbaren mehr und schon gar nicht ohne Japanisch.
Bei der Hinfahrt zum Flughafen Schönefeld waren die zwei Stunden, die man bei längeren Flugreisen früher am Flughafen sein sollte zum Vorteil: Auf die Weise konnte die BVG-Verspätung von einer Stunde halbwegs stressfrei ausgeglichen werden. Fast ganz ohne Warten von der Sicherheitskontrolle ins Flugzeug durchlaufen zu können ist schon angenehm. ;-)
Aufgrunddessen, dass wir in der Gruppe zurückreisen wollten, wählte ich einen relativ ungewöhnlichen Hinflug nach Japan, bei dem ich dreimal umsteigen musste, nämlich in Moskau, Peking und Tokyo. Der Umstieg in Peking war mit einem Gang durch den Zoll und Wiedereinchecken verbunden. Da der Aufenthalt weniger als 24 Stunden lang war, brauchte ich dafür kein Visum. Es genügte, den Transfer-Schalter am Zoll aufzusuchen mit der ausgefüllten Einreisekarte, auf der die Visa-Angaben durchgestrichen sind.
Soweit, so gut.
Der Koffer, der da herausploppte aus der Gepäckausgabe befand sich leider in einem etwas desolaten Zustand: Er war getränkt in Bier - obwohl ich eigentlich nur Schokolade und andere feste Sachen als Gastgeschenke mitbringen wollte... Jetzt sind es eben Gastgeschenke mit dem speziellen deutsch-russischen Duft. Die Kleider kann man waschen und ich wollte mir sowieso einen neuen Koffer zulegen...
Im Gegensatz zum Sheremetyevo-Flughafen, wo das Internet hervorragend funktioniert, kann man am Flughafen Peking leider nicht so richtig arbeiten. Die große Firewall verhindert irgendwie alles, was man so zum kommunizieren im Internet braucht und VPN funktioniert nur begrenzt bei einem per JavaScript-gesicherten Flughafen-Wlan, dessen Zugangsfenster man immer offen lassen muss...
Der Start nach Japan gestaltete sich schwierig - Stau beim Abheben in Peking. Eine Stunde lang. Kein Problem, der Anschlussflug nach Sapporo ist erst fünf Stunden später.
Am Flughafen in Tokyo wollte ich mir ein Handy leihen. Europäische UMTS-Handys funktionieren zwar unterdessen in Japan, sind aber ziemlich teuer für beide Seiten. Als erstes versuchte ich es bei meinem vorherigen Provider au, von dem ich noch ein Handy hatte. Es gibt leider immer noch keine Prepaid-Karten, mit denen man das Handy wieder zum Leben erwecken könnte. Der Leihtarif für Handys schien mir etwas teuer. Schon aus Protest zog es mich zu den anderen Providern. Ich versuchte es bei docomo. Das Angebot war preislich das gleiche, mit dem Unterschied, dass man das Handy nicht wieder per Post zurückschicken kann. Das kam für mich nicht in Frage, da ich nicht vom Narita-Flughafen zurückkehren werde und daher irgendeine Möglichkeit brauchte, das Handy woanders zurückgeben oder zurückschicken zu können.
Zu guter letzt fand ich den Softbank-Stand, der alles Gute vereinte: Einen deutlich günstigeren Preis und die Möglichkeit, das Handy in Softbank-Läden in diversen Städten zurückgeben zu können. Wenn ich ein Softbank-Handy gehabt hätte, hätte ich auch deutlich günstiger nur die Karte mieten können. Der Service gefällt mir.
Was mir auffiel ist, dass nahezu jeder sofort Japanisch mit mir spricht, was ich sehr angenehm finde. Das war anders vor zwei Jahren, als jeder zu Ausländern immer bemüht war, Englisch zu sprechen. Der Tsunami hat scheinbar tiefe Spuren hinterlassen, was die Menge Touristen angeht. Der Einreise-Beamte fragte mich auf eine sehr zweifelnde Art, ob ich denn wirklich nur Tourist wäre.
In Sapporo angekommen, brachte mich ein Bus in die Stadt und die U-Bahn zur nächstgelegenen Station des Hotels. Da Berliner Temperaturen herrschten (so um die -10° C), hatte ich keine Lust zu laufen und wollte einen Bus nehmen. Das war eine gute Entscheidung, denn der Bus brauchte für die Strecke, die mir Google mit ca. 10 Minuten zum Laufen angegeben hatte, ca. 40 Minuten...
Das Hotel war die Mammut-Reise wert und ich schlief die erste Nacht wie ein Stein. Am nächsten Tag war ich verabredet mit Kommilitonen aus meiner Japanischen Uni, die nun in Hokkaido arbeiten. Wir sahen uns das Schneefest an, das neben vielen Schnee- und Eisskulpturen eine riesige Fressmeile ist. Deutschland war mit einem Münchener Maibaum und Glühwein vertreten, der bei den Temperaturen dringend nötig war. Eine offenbar deutsche Familie verkaufte tonnenweise gebrannte Mandeln in diversen Geschmacksrichtungen zu Preisen, die konservativ geschätzt dreimal so hoch sind wie bei uns. Geschäftsidee: Stände von Weihnachts- und Jahrmärkten auf japanische Feste exportieren. Funktioniert garantiert.
Leute aus Hokkaido scheinen dem Alkohol noch weniger abgeneigt zu sein als die im Rest des Landes: Man trinkt wohl immer gerne und mit Schuss. ;-) In Sapporo gibt es die angeblich älteste von den großen japanischen Brauereien, gegründet von einem Japaner, der Bier in Deutschland kennenlernte und es Mitte des 19. Jahrhunderts nach Japan brachte.
Wir fraßen uns durch das Fest und wärmten uns zwischendurch in Restaurants und Convenience-Stores auf. Letztere verkaufen unter anderem kleine Heizpäckchen. Sie sind ganz empfehlenswert, damit einem nichts abfriert... ;-) Immerhin fühlte ich mich durch den Berliner Winter einigermaßen trainiert auf die Kälte.
Am Abend gingen wir in eine von einem Australier gerade neu eröffnete Bar. Die Bedienungsgeschwindigkeit war eher westlich und daher für die wenigen Japanischen Gäste wohl eher - gewöhnungsbedürftig. Der Wirt war nicht sehr gut zu sprechen auf seine japanische Schwiegermutter: "She doesn't like me, cause I told her." Was er ihr sagte war wohl, dass Bildung vor Nationalismus gehen sollte bei seiner Tochter. Seitdem haben sie eine Fehde. ;-)
Beim Heimweg zum Hotel wählte ich diesmal mangels Bus und dem Unwillen, viel Geld für ein Taxi auszugeben, den Fußweg. Ich habe vorher eine Freundin recherchieren lassen, ob mein Google Maps-Ausdruck stimmt und er tat es nicht... Der Weg ist viel weiter, aber immer noch zu laufen. Inklusive Verlaufen zwischendurch brauchte ich 40 Minuten. Die Frau in dem Convenience-Store, die ich zwischendurch nach dem richtigen Weg fragte, war sehr erstaunt und besorgt - verrückte Ausländer... ;-)
Als nächstes Ziel habe ich Kobe im Auge, wo ich meine Gastfamilie und Freunde treffe. Der Flug dorthin ist erst in einigen Tagen, sodass ich beschloss, noch einen weiteren Ort auf Hokkaido anzuschauen, nämlich die Hafenstadt Hakodate. Einen deutlich günstigeren Bus dorthin konnte ich nicht mehr zu den (Tages-)Zeiten bekommen, zu denen ich wollte und entschied mich daher für die Bahn. Die sollte man ja auch in Deutschland benutzen, wenn man was erleben will. Genauso ist das in Japan: Da versteckt sich die Bahn unter dem Namen JR, aber es ist immer noch die gute alte Deutsche Bahn drin. Oder zumindest eine hervorragende Kopie davon.
Ich verabschiedete mich von meinen Freunden und verließ Sapporo in einem Express-Zug, der selbst für japanische Verhältnisse überfüllt war. Ich hatte mir die Reservierung gespart (die ich für den Zug zur Wunsch-Zeit ohnehin nicht mehr bekommen hätte) und war darauf eingestellt, etwas länger zu stehen. Auf meine Nachfrage schaltete der Zugbegleiter sogar netterweise irgendwann die Lüftung an, da wir bei schätzungsweise 35° C, tropischer Luftfeuchtigkeit und extrem wenig Sauerstoff sonst kaum überlebt hätten.
Es wurden immer weniger Leute mit der Zeit, sodass ich irgendwann auf halbem Weg einen Sitzplatz hatte. Der halbe Weg bezog sich aber nur auf die Strecke, nicht auf die Zeit. Zuerst standen wir ca. eine halbe Stunde in einem Bahnhof, aufgrund irgendwelcher technischer Probleme und dann kurze Zeit später für mehrere Stunden.
Leute aus Hokkaido scheinen mir deutlich redseliger zu sein als Leute aus Kansai oder Kanto - ein Ehepaar unterhielt sich mit mir für eine ganze Weile auf dem Gang, weil wir die Hitze im Großraumabteil nicht mehr aushalten konnten. Der Mann hatte schon mehrere VWs und einen BMW und ist auch von anderen Produkten aus Deutschland sehr begeistert. So hat er Meissner Porzellan und einige teilweise sehr alte Kameras von Leica und Zeiss. Wir tauschten Kekse, Schokolade und Visitenkarten aus - vielleicht kommen sie ja mal nach Deutschland.
Inzwischen entschied man sich dafür, uns den Zuschlag für den Express-Zug zurückzuerstatten. Ein Witz, wenn man bedenkt, dass viele Leute noch weiter fahren wollten und alle Anschlüsse für den Tag verpasst haben. Diesen Unmut haben viele Leute kundgetan, was ich an sich schon lustig fand. So mitteilungsbedürftig ist man (wahrscheinlich aus Höflichkeit) an anderen Orten in Japan normalerweise nicht.
Immerhin habe ich jetzt die Muse für Studienzwecke - nur irgendwann könnte die mir vergehen, wenn die Kekse alle sind... ;-)
Update
Ich habe mich zwangsweise für die Deutsche Bahn-Variante des Wartens entschieden: Neulich standen wir auch ca. zwei Stunden in einem ICE und da es am Abend war, hat sich scheinbar der gesamte Zug dazu entschlossen, alle Biervorräte des Bordbistros zu leeren. Die arme Frau dahinter kam nicht mehr hinterher mit Ausschenken und für ihren phlegmatischen Kollegen hatte sie nur übrig: "Wenn man solche Kollegen hat, braucht man keine Feinde mehr." ;-)
Aber zurück zu der japanischen Version: Ich hatte Durst und lief vom hintersten zum vordersten Wagen, weil sich die Dame mit den lächerlichen Resten des Speise-Rollwagens wohl nicht mehr durchzugehen traute. Leider waren die nicht-alkoholischen Getränke alle. Auf Japanisch: shoganai, da kann man nichts machen. Das war eine Aufforderung zum Biertrinken. Sie hat sich mehrfach entschuldigt dafür, dass sie mir nur noch Bier verkaufen konnte.
Zwischendurch fragten mich noch mehrere Nicht-Japaner im Zug, was nun eigentlich Sache ist und ich gab ihnen die Auskünfte, die der Zugführer immer brav an uns weitergab: Keine, außer Geld zurück, mindestens zwei Stunden Verspätung und sehr wahrscheinlich keine Anschlusszüge mehr am gleichen Tag.
Fast drei Stunden später angekommen und das Geld für den Zuschlag zurückbekommen, entschädigt das Hotel vollkommen: Das Comfort Inn Hakodate ist direkt am Bahnhof, ruhig, neu und fast so günstig wie eine Jugendherberge. Jetzt erstmal einen Grüntee und die Tageszeitung. :-)